Mein Praktikum bei BOOSTR ist zu Ende, meine Reise geht weiter. Zum Glück läuft man sich in unserer kleinen Kommunikationsbranche immer wieder über den Weg. Denn diesen Abschlusstext für meine Serie an Blogposts schreibe ich mit nostalgischen Gefühlen im Angesicht des Abschieds. Seid ein letztes Mal dabei hinter den Kulissen meines Praktikums und blickt mit mir auf Herausforderungen, Highlights und Learnings zurück.

Text: Lisa Schlenker aka Lili

Making-of-Fotos: Serpil Mallaun, Lili

Start ins Rennen: Höchstgeschwindigkeit und Boxenstopp

Für die Rennstrategie bei Formel-1-Rennen ist es wichtig, dass die Crew während eines Boxenstopps für das Wechseln der Reifen und allfällige Reparaturen am Fahrzeug möglichst schnell und doch präzise performt. Ihr wundert euch, was diese Info mit meinem Praktikum bei BOOSTR zu tun hat?

Für die Antwort muss ich etwas ausholen: Letzten Frühling startete ich als neustes und drittes Mitglied unseres kleinen Teams bei BOOSTR meinen Quereinstieg in die Kommunikationswelt. Da zu dieser Zeit täglich die unterschiedlichsten Kundenproduktionen vor Ort auf dem Programm standen, wurde ich ohne grosse Vorbereitung direkt ins Rennen geschickt und versuchte von Anfang an Vollgas zu geben. Nur war es so, dass ich wirklich absolut keine Ahnung hatte, weder von Fotografie und der dazu benötigten Technik, noch davon, wie Smalltalk mit Versicherungsmenschen geht. So war ich eher Zuschauerin als Mitfahrerin und das Rennen lief an mir vorbei, während ich am Streckenrand staunte.

Es kamen dann irgendwann ruhigere Zeiten, während derer ich das Aufstellen unserer Stative fernab der Erwartungsvollen KundInnen-Augen üben konnte: bei meinem persönlichen Boxenstopp-Training im Studio. Dass wir dabei herzlich viel lachten, sollte für mich ein Ausblick auf die kommende Zeit sein. Denn wie bei Formel-1-Rennen sind für unsere Arbeit nicht nur technisches Knowhow und das einhalten technologischer Fortschritte entscheidend, sondern ebenso effektive Teamarbeit. In diesem Sinne, Serpil und Markus, habe ich mit euch auf ganzer Strecke gewonnen!

Alles ist möglich bei BOOSTR

Auch wenn wir diese Spargeln nie inszenierten und fotografierten, wie wir es anfangs geplant und immer wieder verschoben hatten, kann ich heute auf einen riesigen Erlebnis- und Erfahrungsschatz zurückblicken. Dies dank der vielfältigen und inspirierenden Projekte, bei denen ich von Beginn an dabei sein und mitwirken durfte. In einem Team von nur drei Personen konnte ich mich nämlich nicht verstecken und war in alle Abläufe involviert – und genau deshalb lernte ich unheimlich viel und erlebte jeden Tag Abwechslung. Da war der Filmdreh, bei dem ich als Produktionsassistentin 60 Ballone mit Helium füllte und half, das Set gefühlt fünfzehn Mal ab- und wieder aufzubauen. Der Social-Media-Prozess, auf den wir uns gemeinsam einliessen und aus dem diese Blogposts hervorgehen. Prägend war auch die konstante Auseinandersetzungen mit KI-Innovationen und die daraus entstandene KI-Beratung für Corporate Bilder als neues Angebot – mit Webauftritt, Sachbuch und Podcast.

Und nicht zuletzt die hunderten Menschen, die vor unserer Kamera standen, deren Nervosität sich hinter den Kulissen schnell legte und mit denen wir uns gemeinsam über die gelungenen Portraits freuten.

Bevor ich mich schwelgend in Erinnerungen verliere, möchte ich an dieser Stelle auf die Metaebene wechseln und mein wichtigstes Takeaway festhalten: Hast du eine Vision? Dann setze sie um!

Vom Greenhorn zum Media Ninja

Von Beginn an saugte ich wie ein Schwamm alles Neue auf und mein ständiges Notizen-Gekritzel wurde von Serpil und Markus mit einem Schmunzeln quittiert. Heute kann ich stolz sagen, dass sich die Puzzle-Teil zusammengefügt haben und ich einen Blick fürs Ganze entwickeln konnte. Hier nur wenige Schnipsel aus meinem gewonnenen Wissen zur Anschauung meines Lernprozesses.

Während der Fotoshootings machte ich jeweils Making-of-Aufnahmen mit dem Smartphone. Diese wurden immer besser, einerseits da mein Gespür sich verfeinerte, andererseits durch konkrete Inputs. So riet mir Serpil etwa, eine Situation aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zu fotografieren, die Personen dabei möglichst aus der Nähe und von vorne oder im Profil. Auch Markus verpasste keine Gelegenheit, mir Fototheorie näherzubringen. Dadurch, dass er mir Abstraktes erklärte, während er es gleichzeitig praktisch ausführte, waren die Learnings für mich sehr einprägsam und verständlich. So lernte ich beispielsweise, wie das Belichtungsdreieck funktioniert: ISO, Blende und Verschlusszeit bilden ein Dreieck. Wird einer dieser Faktoren verändert, beeinflusst das die anderen und schliesslich das Bild. Das Belichtungsdreieck ist zwar beim Umgang mit Handykameras weniger wichtig, schärfte aber meinen Blick für Bild-Effekte wie Tiefenschärfe oder Körnigkeit.

Serpils achtsames Coaching und Markus’ praxisnahe Lektionen ermöglichten mir einen Prozess, an dem wir alle ein Stück gewachsen sind und auf dessen Etappen ich mit Freude zurückblicke.

Abwechslungsreiche Fotoshootings als Daily Business

Da Fotografie immer Arbeit mit Menschen bedeutet, braucht es auch in diesem Bereich Kompetenzen, sogenannte Softskills. Gute Vorbereitung auf ein Shooting heisst nicht nur Material und Technik, sondern auch passende Kleidung und Smalltalkthemen je nach Branche parat haben.

Bei Kundenproduktionen, für die wir mit unserem Foto-Setup anreisen, ist Planung Gold wert. Viele ästhetische und praktische Entscheide fallen schon im Vorfeld. Für Portraits von Mitarbeitenden, unsere Kernkompetenz, zählt immer Authentizität und Professionalität. Deshalb nutzten wir oft gedruckte Bürohintergründe, die einen echten Ausschnitt aus den Räumlichkeiten des Unternehmens als Arbeitsort zeigen und die gleichzeitig sicherstellen, dass Abstand, Lichtverhältnisse und der Bildlook bei einer Fotoserie immer übereinstimmen. So entsteht ein Glaubwürdiger und einheitlicher Auftritt.

Dann muss auch die Lichtfrage geklärt werden: Nutzt man Blitz, der kurz, hell und manchmal unberechenbar ist, oder Dauerlicht, das sich planbar verhält, dafür aber die Steckdosen und Akkus schneller leert als ein Netflix-Marathon? Fotografie ist also eine Mischung aus Technischer Expertise und Menschenkenntnis und manchmal auch Improvisation mit Klebeband. Denn wenn kein Belichtungsdreieck und keine Psychologie mehr hilft, dann vielleicht ein Stossgebet: Gaffa Tape, rette uns! Klappt meistens.

Bei jedem Blitz ein Witz

Nun noch zu einem zentralen Punkt, den ich Lesenden auf keinen Fall vorenthalten will! Denn vielleicht hat sich die eine oder der andere schon gefragt, was das Erfolgsrezept ist, um ProfifotografIn – und dabei beliebt und gefeiert – zu werden. Mit dem Risiko, Klischees zu bespielen, teile ich hier einige Star-Hacks.

Hast du ‚den besonderen Blick‘ und tust ihn gerne kund? Störst du dich an Details, die anderen gar nicht auffallen?Das sind schon mal gute Voraussetzungen! Nun musst du noch an deinem Charisma arbeiten. Dazu kombiniert du während deiner Arbeit am Set drei Dinge. Erstens: Ein Gekonnter Umgang mit deinem Fotografie-Equipment, das nicht nur technisch Spitzenklasse ist, sondern auch nach aussen wirkt – teuer, professionell, ausgestattet mit kleinen Merch-Details wie Sticker oder Logo-Aufkleber, um subtil zu signalisieren: Ich habe die beste Ausstattung und bin Vollprofi! Zweitens: Selbstbewusstes Auftreten, das zeigt, dass du weißt, was du tust. Drittens: Eloquenz, um Kundschaft und Team gleichermassen zu begeistern.

Für den letzten Punkt hier einige Ausdrücke zum Auswendiglernen, direkt aus dem Mund von Markus. So kannst du beispielsweise Models und Schauspielenden branchenspezifisch Anweisungen geben, etwa: Mach mal chli Versicherigskungfu! Dann beschreibe deine typische Bildsprache als In-die-Fresse-Aesthetik. Oder versuche dich an einem Pleonasmus, wenn es um das Freistellen von Leuten mit weisser Kleidung oder Haarpracht vor einem weissen Hintergrund geht: Der Eisbär im Schnee. Generell gilt: Lachen gewinnt immer! Und falls dir nichts mehr einfällt, notfallmässig: Was sagen die Leute in Spanien anstatt Cheese? Patata!

Ende, Anfang und Danke

Nach dem für mich sehr emotionalen Rückblick hier ein kleiner Ausblick: meine Reise geht weiter mit einem Studium im Bereich Medien und Kommunikation. Durch das Praktikum habe ich dafür echte Motivation, da ich die Anwendungsfelder des Lernstoffs bereits teilweise kenne und somit theoretisches Wissen mit Praxis verbinden kann. Sowie ich diese abschliessenden Worte schreibe, werde ich sentimental und denke auch an all unsere Erlebnisse und gemeinsamen Momente, die in diesem Text keinen Platz finden, die ich mitnehme und von denen ich lange zehren werde.

An dieser Stelle noch ein grosses Danke. Dass ihr euch immer für mich Zeit genommen, jede Frage ausführlich beantwortet habt. Dass ihr euch mit mir auf neue Prozesse eingelassen habt und neue Wege gegangen seid. Für eure Offenheit und euer Vertrauen, durch die ich ich mich mit meinen persönlichen Fähigkeiten und Interessen einbringen konnte. Dass ihr mich herausgefordert und mit Begeisterung angesteckt habt. Und Auch Persönliches Raum hatte. Danke Michu, du bist frech und einfach toll.

Und, zum Schluss, um wieder auf meine Rennmethapher zurückzukommen und den Bogen zu schliessen: Alles gute für die nächste Runde!